Die Aktion Bundesschluss 1985 - 2001

Auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Aktion Bundesschluss vom 23. - 25. März 2001 gab die aus dem Amt scheidenden Bundeskoordinatorin Adelheid Wiedenmann einen eindrucksvollen Rückblick auf ihre langjährige Arbeit. 

 

Wir haben überlebt!

oder

Am runden Tisch des Bundesschlusses ist nach wie vor jede und jeder herzlich willkommen!

Liebe Freundinnen und Freunde!

Dies soll eine Art Rechenschaftsbericht werden und zugleich auch den Charakter einer Standortbeschreibung haben.

Vier Teile erwarten Euch:

 

Vergegenwärtigung von Geschichte durch Erinnerung

Ich will nicht die gesamte Geschichte des Bundesschlusses von seinen Anfängen bis zur Gegenwart referieren. Trotzdem möchte ich aber auf die 15 Jahre unseres Bestehens mit Euch gemeinsam zurückblicken. Ich habe mir gedacht, wir tun das, indem wir uns an die Menschen erinnern, die in diesen 15 Jahren die Brücke zwischen Südafrika und Deutschland, Deutschland und Südafrika gespannt und an beiden Enden des Regenbogens für den Bundesschluss gearbeitet haben. Ich rede von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den Bundesschluss im Südafrikanischen Kirchenrat (SACC), den Facilitatorn oder in meinem etwas despektierlichen Sprachgebrauch, von den "Facis".

Ich habe eine Jahresliste erstellt, bitte jetzt um Zuruf von Namen, die ich eintragen werde. So entsteht ein Überblick, der viele Erinnerungen wachruft.

 

Facilitatoren

Jahr

Name

Finanzierung

1984/85

Uschi und Joachim Tröstler

Nordelbische Ev.-luth. Kirche

1985/86

Rolf Zwick

Westfälische Landeskirche

1985/87

Rolf Martin/Conny Gerlach

Nordelbische Ev.-luth. Kirche

1987/88

Lutz Bauer

Badische Landeskirche

1998/89

Hans-Christian Johnson

Rheinische Landeskirche

1989/91

Martin Zingg, Inga Niehaus, Heiner Kücherer, Beate Ehlert

unterschiedliche Finanzierungen

1991/92

Kerstin Möller

Nordelbische Ev.-luth. Kirche

1992/93

Susanne Müller

Bayrische Landeskirche

1993/94

Anne Töpfer

Reformierter Bund

1994/95

Claus-C. Poggensee

Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbunds (1) / Nordelbische Ev.-luth.  Kirche/ Evangelische Konferenz Südliches Afrika der Ev. Kirche Deutschlands (EKSA)

1995

Christine Konukiewitz

privat

1995/96

Kathrin Alshuth

Westfälische Landeskirche / Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbunds (1) / Bundesschluss

1996/97

Chris Flügel

Nordelbische Ev.-luth.  Kirche

1997/98

Drea Fröchtling

Spenden Bundesschluss

1998/99

Katharina Bahr

Nordelbische Ev.-luth.  Kirche

1999/2000

Karin Saarmann

Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbunds (1)

 

 

(1) Die geprüften Anträge des Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbunds gingen dann an den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf

 

Ebenso habe ich eine Liste der Orte zusammengestellt, an denen die Dele­giertenkonferenzen stattfanden, ergänzt und kommentiert durch die Gäste auf den Konferenzen und/oder wichtige Themen.

Ich hoffe, das Wachrufen der Erinnerung durch Namen und Orte macht es leichter, auf die drei Epochen in den 15 Jahren unseres Bestehens zurück­zublicken, die ich wahrzunehmen meine.

 

Delegiertenkonferenzen mit ihren Gästen und Themen

Jahr

Ort

Gast

1986

Essen

Rolf Zwick

1987

Bielefeld

Piet Moatshe

1988

Frankfurt/M.

Struktur des Bundesschlusses in der BRD; Hauke-Maria Rodtmann Koordinatorin

1989

Hamburg

Piet und Martina Moatshe

1990

Wiesbaden

Chiefs von Braklaagte und Leuwfontein

1991

Bremen

Piet Moatshe und Sam Mofokeng

1992

Saarbrücken

Strukturveränderungen im SACC;

1993

Leonberg

Dimitris Palos

1994

Aurich

Anne Töpfer

1995

Düren

Michael Nyawo; Idee: Parallelgottesdienste

1996

Hildesheim

Zakes Nkosi

1997

Bottrop

Delegationsreisebericht

1998

Hamburg

Buhle Myeza und Albert Whittles

1999

Frankfurt/M.

Zwischenbilanz

2000

Lübeck

Christoph Beninde, KOSA

2001

Bremen

Sipho Sokhela; Übergabe der Koordination an geschäftsführendes Komitee

Rückblick auf drei Epochen

Beginn und Widerstand gegen Zwangsumsiedlungen

Die Aktion Bundesschluss beginnt 1985 mit dem vom Evangelischen Missionswerk herausgegebenen Faltblatt, das - entsprechend der Aufforderung der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver 1983 (Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung) - Bundesschlüsse mit von Zwangsumsiedlung bedrohten Gemeinschaften in Südafrika anbietet. Die Initiative geht aus von Dr. Wolfram Kistner, Leiter der Abteilung für Gerechtigkeit und Versöhnung im Süd­afrikanischen Kirchenrat. Der Vorschlag stößt in der deutschen kirchlichen Öffentlichkeit auf eine gute Resonanz. Es bilden sich schnell die ersten Verbindungen. 1985 kommt Joachim Tröstler aus Südafrika zurück. Er war als Assistent von Dr. Kistner m der Gestaltwerdung der Bundesschlussidee intensiv beteiligt. Er wird hier in der BRD Anlaufstelle für Gemeinden und Gruppen, die an einer Verbindung zu Gemeinschaften interessiert sind. Auf der ersten Delegiertenkonferenz 1986 in Essen wird Rolf Zwick extra zu diesem Termin eingeflogen. Er hat den Kopf voller Ideen und steckt alle mit seiner Energie und Begeisterung an, alles nur Mögliche gegen die Zwangsumsiedlungen in Gang zu bringen.

In Südafrika wird die Bundesschlussarbeit zunächst im Büro von Dr. Kistner weitergeführt, aber immer mit der Tendenz, das "Covenant Project" halb­autonom-eigenständig laufen zu lassen mit einer Rechenschaftspflicht durch ein Verbindungskomitee zum SACC. Rolf Martin und Conny Gerlach, die zunächst für total andere Aufgabenbereiche nach Südafrika und in den SACC entsandt wurden, aber schließlich beim Bundesschluss landen, erleben die Berufung von Pastor Piet Moatshe als Coordinator des Covenant Project mit. Wieder in Deutschland zurück sucht Rolf Martin nach einer Entspre­chung, einer Koordinatorin auf unserer Seite. Auf der Delegiertenkonferenz in Frankfurt 1988 übernimmt Hauke-Maria Rodtmann diese Arbeit. Stephan Rothe aus der Hannoveraner Gruppe und ich ans Nordelbien werden in das die Koordinatorin unterstützende Komitee gewählt.

Die Hauptarbeit der Bundesschlussgruppen konzentriert sich auf die Unter­stützung der Gemeinschaften im Kampf gegen Zwangsumsiedlungen und Zwangseingliederungen. Mahnwachen, Unterschriftenlisten, Petitionen bis zum Bundespräsidenten, öffentliche Aktionen, ... beschäftigen uns voll­ständig. Die Öffentlichkeit ist - nicht zuletzt durch die langjährige Arbeit der Früchteboykott-Frauen - verhältnismäßig hörwillig, mal abgesehen von den Streitgesprächen mit den Befürwortern der Apartheid.

Hier und da sickert etwas über Verhandlungen zwischen ANC und Regierung durch. So ganz glauben kann man das gar nicht. Wir machen weiter! Die vierwöchige Hoffnungswanderung für Südafrika in Nordelbien endet am 8.10.89, einen Tag vor der alles entscheidenden Demonstration in Leipzig - Veränderung bahnt sich an. In Südafrika werden langjährig Mit­gefangene von Nelson Mandeln entlassen. Und dann: Im Februar 1990 die Freilassung Mandelas - ich höre es, während wir in einer Gruppe am Kairos-Dokument arbeiten. Staunen und Sprachlosigkeit, allmählich Freude.

Es braucht Zeit zu begreifen, was geschieht was sich ändert (auch in Deutschland!). Es ändert sich viel und doch nicht so viel. Das merken wir auf unserer Reise 1991, als eine Nordelbische Gruppe zusammen mit Hauke-Maria Rodtmann nach Südafrika fliegt. Wir bewältigen in den vier Wochen unseres Dortseins 4.000 km und den Besuch von sehr vielen Gemeinschaften. Kurz vor unserem Abflug wird deutlich, wie stark die alten Strukturen sind: Kerstin Möller "wandert" zusammen mit Frauen von Black Sash, die für freie Arbeitsmöglichkeiten im sog. Homeland Bophuthatswana demonstrieren, in den Knast; zum Glück kommen alle nach zwei langen Tagen, u.a. auch durch starkes internationales "Geschrei", wieder frei! - Die Reise selbst wird für mich zu einer guten Einführung in die unterschiedliche Situation und Strukturiertheit der Bundesschlusspartner, noch nicht ahnend, dass Hauke-Maria die Koordination wegen eines Stellenangebotes bald im mich abgeben wird.

Finanzielle Fragen sind in diesen allerersten Jahren noch kein Problem, weil 1985 die Kirchentagskollekte für die Aktion Bundesschluss zur Verfügung gestellt wird. Aber natürlich braucht sich dieses Polster schließlich auf. Damit entsteht die Notwendigkeit, Gelder für die Arbeit in Südafrika einzuwerben. Auf der Delegiertenkonferenz 1987 versuchen wir das Geld, das für das Covenant Project gebraucht wird, von den Gruppen zusammen­zubekommen. Es gelingt!

Damit, dass wir hier in Deutschland eine Koordinatorin haben, die kopiert, faxt, telefoniert,... entstehen aber auch hier Kosten. In dem Zusammenhang höre ich das erste Mal vom Ausschuss für Bildung und Publizistik der EKD. Ohne dessen Unterstützung wäre unsere Arbeit seitdem nicht möglich gewesen. Seit 1988 stellen wir beim ABP jährlich unseren Antrag. Wir hatten zeitweise die Hoffnung, finanziell unabhängig zu werden und auch die Koordinatorin angemessen zu bezahlen - doch diese Wünsche mussten wir nach vielen, vielen Bemühungen in das Land der Phantasie verweisen.

Für die Facilitator, die sich in den ersten Jahren finden, ist es sehr schwie­rig, in Südafrika eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Rev. Demetris Palos von der methodistischen Gemeinde hilft hier und in Zukunft noch oft bei unterschiedlichsten Schwierigkeiten am. Seit 1991 wird es zur guten Tradi­tion, dass die zurückkehrenden Facilitator im Komitee mitarbeiten. Seitdem wird auch die Entsendung von Facilitatorn offiziell in die Verantwortung des Komitees übergeben, d.h. Finden von Personen, die diese Aufgabe wahr­nehmen wollen, Vorbereitung, Begleitung und Finanzierung.

Diese erste Epoche des Bundesschlusses (von 1985 - 1991/2) ist vor allen bestimmt vom Kampf gegen Apartheid. Gleichzeitig bemüht man sich in Südafrika und Deutschland, Menschen und Strukturen für eine gute Bundesschlussarbeit zu finden. Das gelingt. Es gelingt, bis der SACC aufgrund der politischen Veränderungen auch sein eigenes Haus neu ordnen muss Aus dem halbautonomen Covenant Projeet soll ein integriertes Covenant and Land Programme werden... oder ein total selbständiges Programm. oder was??? Ich will die Einzelheiten dieser Integrationsgeschichte hie nicht erzählen. Da gibt es Kompetentere. In jedem Fall schlugen die Wege hoch! Aschfahl kam mir Piet Moatshe in der Kirchentagshalle entgegen, als Heiner Kücherer und ich mit dem Generalsekretär des SACC, Frank Chikane, über die Integration gesprochen hatten, denn Piet wünschte sich Autonomie. Wir danken es Albrecht Hieber aus der Schweiz, der offensichtlich Frank Chikane davon überzeugen konnte, dass ein Kind des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, wie es der Bundesschluss ist, in einen Kirchenrat hineingehört und nicht autonom daneben herumdümpeln kann. Für Piet Moatshe war diese Entscheidung schwer zu akzeptieren; zu kritisch stand er dem SACC gegenüber.

Das Covenant and Land Programme wurde Teil des SACC. Beginnt mit dem schwierigen Integrationsprozess schon die Geschichte des geliebten-­ungeliebten Kindes "Bundesschluss" im SACC. Manchmal denke ich: Ja!

 

Integration und Konsolidierung – Die Zeit von 1991/2 bis 1994/5

Einen wirklichen Einbruch haben die Veränderungen in Südafrika und Deutschland für die Bundesschlussarbeit nicht bedeutet. Das war für andere Bereiche der Südafrika-Solidarität anders. Uns half die konkrete Anbindung an Gemeinschaften, an Menschen, - uns halfen die entstandenen Beziehungen. Trotzdem sind diese Jahre von Unsicherheiten durchsetzt. Wir selbst müssen uns in unserem eigenen Land neu orientieren. Die Hoffnung, dass mit dem Fall der Mauer eine Zeit ohne kalten und erst recht ohne heißen Krieg beginnen würde, wird bitter enttäuscht. In Jugoslawien eskalieren die Spannungen sehr bald in einen Bürgerkrieg; der Golfkrieg zeigt, wie illusionär die Hoffnungen waren.

Wir müssen neu ansetzen, noch mal überprüfen: Worum geht es uns jetzt? Wofür stehen wir Jetzt? Wie wollen wir jetzt nach außen treten? Die Überlegungen waren von der Überzeugung getragen, die uns Piet Moatshe gelehrt hatte: "Bundesschlüsse bleiben Bundesschlüsse in guten und in bösen Tagen", oder Wie es Eckart Genrich mal formulierte: "Bundesschlüsse kennen kein Verfallsdatum!". Das war eine Basis, auf der zunächst Kontinuitäten gepflegt werden konnten: Der in Nordelbien schon üblich gewordene Rundbrief lief auf Bundesebene weiter; er hielt zu Sympathisanten und Sympathisantinnen locker den Kontakt, diente als Werbung und machte Arbeitsschwerpunkte deutlich. Ebenso unbefragt beteiligten wir uns weiterhin an den Kirchentagen mit einem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten.

Die Nachrichten aus Südafrika machten uns die Orientierung im Einzelnen nicht leichter. Peace Accord im September 1991, aber es will kein Friede werden. Die sog. "Dritte Kraft" droht Südafrika in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Als das "weiße" Referendum de Klerks die Fortsetzung des Re­formprozesses bestätigt, atmen wir auf. Aber dann im Juni 1992 das Massa­ker von Boipatong. Der ANC setzt die Verhandlungen aus, die erst acht Monate später wieder aufgenommen werden. Eine Zitterpartie von Tag zu Tag und von Monat zu Monat. Als Chris Hani kurz vor Ostern 1993 emordert wird, halten alle den Atem an. Für mich ist es damals ein Osterwunder gewesen, dass aus dem Tod des Hoffnungsträgers keine weitere Eskalation der Gewalt entstanden ist. Ende 1993 nimmt dann der Übergangsrat bis zu den Wahlen seine Arbeit auf. - Im Kirchenrat geht währenddessen die Integrationsarbeit für den Bundesschluss weiter. Sam Mofokeng muss im Rahmen erster Einsparungen seine Arbeit im SACC beenden. Er hatte - konsequent in der zweiten Reihe - ein gutes Gespann mit Piet Moatshe abgegeben.

Die veränderte Situation macht es seit 1990 möglich, dass mehr Reisen - hin und her - unternommen werden, um sich nach der Apartheidzeit endlich direkter begegnen zu können. Wer sind wir eigentlich? Es ist eine neue Art sich kennen zu lernen und wahr zu nehmen. Bisher waren wir darauf eingestellt, an der Seite der Partner gegen Apartheid zu stehen. Jetzt stehen wir uns gegenüber in unserer unendlichen Unterschiedenheit. Wie wird unser gegenseitige Rolle jetzt und in Zukunft aussehen? Aus den Reiseberichte dieser Zeit ist kaum etwas an Einschätzungen zu entnehmen. Im Vordergrund steht das Erlebnis der unmittelbaren Begegnung, das Sich-Verstehen trotz großer Abstände, der Augenblick der Nähe. Die Gegenwart zählt, der Kampf hat sein Ziel erreicht (wem auch ein weiterer, neuer Kampf an steht), es gilt, das Jetzt zu Feiern.

Aus all dem, was ich hier in mageren Stichworten angedeutet habe, entwerfen wir in Deutschland ein neues Grundsatzpapier, erstellen eine neue Selbstdarstellung, aktualisieren das Logo und machen Aufkleber daraus. Unsere Orientierung in Kürze: "Bundesschluss als Lebensform", „teilen, was wird sind und was wir haben" - sehr anspruchsvoll, nach wie vor mit dem Selbstverständnis, ein Teil des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu sein. Ich erinnere aus dieser Zeit immer wieder das Gefühl eines trotzigen Unbedingt: Die Veränderung in Südafrika muss gelingen. Ich weiß auch, dass dieses Gefühl verstärkt wurde durch das Angegangensein der in unserem Land zunehmenden Gewalt von Rechts. Mit einem von dieser inneren Anspannung vorangetriebenen Enthusiasmus bringen wir zur Unterstützung der Wahlaufklärung in Südafrika 10.000 Blocks unter die Leute (es soll Personen geben, die noch heute darauf schreiben!) und können 23.000,-- DM nach Südafrika überweisen.

Ich rede die ganze Zeit von "wir". Wer ist du eigentlich? Natürlich all die in den Bundesschlussgruppen oder als Sympathisanten die Arbeit tragen. Aber hier ist - mittendrin - doch notwendigerweise der Ort, vom Komitee zu reden. Seit 1988 fand sich das Komitee drei oder viermal im Jahr zusammen und versuchte zu netzwerkeln. Ob es um Hinweise zu Vorbereitung und Durchführung von Besuchen ging, ob es der Umgang mit Geld war (ein Dauerbrenner übrigens), die Vorbereitung der Delegierten­konferenzen, Schwerpunktsetzungen in der hiesigen Arbeit, und nicht zu vergessen, zwei weitere Dauerbrenner: Werden wir ein e.V. oder nicht? - wir wurden nicht! - und schier ohne Ende: Wie können wir die Kommuni­kation zwischen den Bundesschlusspartnern verbessern? usw... usw... Ich weiß, dass es immer wieder Stimmen gab, die dies Komitee und auch die Koordination für überflüssig hielten: "Was machen die da eigentlich?" Ich behaupte mal sehr selbstbewusst: Ohne Komitee und seine Vorgaben für die Koordination wäre das Netzwerk der Bundesschlussarbeit auseinandergefallen. Also: Ein großes „Danke Schön“ an alle, die im Komitee mitgearbeitet haben.

In diesen Jahren des Übergangs von 1991 bis 1994/5 kündigen sich bereits Entwicklungen an, die die Zukunft unserer Arbeit stark bestimmen werden: Im Herbst 1992 findet eine große Konferenz in Ehringerfeld statt; alles, was sich nur je in der Südafrika-Solidarität gezeigt hat, findet sich dort zusammen (ca. 200 Personen). Die verschiedenen politischen Ausrichtungen spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Man ist sich dessen bewusst, dass eine neue Zeit angebrochen ist, die mehr mit Kooperation zu um haben wird. Das Selbstbewusstsein der südafrikanischen Teilnehmenden kommt am deutlichsten zum Ausdruck in dem kurzen Slogan: Wir wünschen uns: Begleitung: Ja!; Projekte: Nein!; Aufmerksamkeit und Einmischung im Interesse Südafrikas hier in Deutschland/im Norden: Ja! - Das kam unserer Überzeugung im Bundesschluss sehr entgegen, wenn mir immer wieder unter uns und in der Öffentlichkeit herausstellten: Wir pflegen unsere Partnerschaften so gut, wie es möglich ist. Gleichrangig daneben geht es uns darum, uns hier einzumischen und sei es in den Zeiten um 1992ff in der Weise, dass wir versuchten, die Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in Südafrika wach zu halten. Das sind die beiden Füße, auf denen die Bundesschlussarbeit geht: Pflege der Bundesschlussverbindung und politische Einmischung im Interesse Südafrikas/des Südlichen Afrika.

 

Weiterarbeit und Wegsuche - Die Zeit von 1994/5 bis jetzt

Der 27. April 1994 war ein besonderer Tag. Ich denke, die meisten von uns haben noch die Bilder aus Fernsehen und Zeitungen in Erinnerung. Und dann die Vereidigung Nelson R. Mandelas zum Präsidenten...

Der SACC war in dieser Zeit in einem ständigen Prozess der Veränderung begriffen. (Mir scheint es so, dass dieser Prozess bis heute noch nicht abge­schlossen ist). Als wir uns im Komitee auf die Delegiertenkonferenz vor­bereiteten, erinnerten wir uns an den Besuch von John Lamola Anfang 1994. Er war zu der Zeit gerade nicht mehr Leiter des Justice Departments, nahm aber noch mal in dieser Funktion an unserer Komiteesitzung teil. Mal abgesehen davon, dass er überrascht war, in einem wie inoffiziellen, sprich: privaten Rahmen wir in meiner Wohnung tagten, erzählte er mit viel Begeisterung vom Reconstruction and Development Programme. Sein Optimismus war umwerfend: Ja, es wird ein erneuter Kampf nötig sein, um die Ziele des RDP durchzusetzen, aber das wird gelingen! "Die Landfrage werden wir in zwei Jahren gelöst haben!"

Bei diesem Treffen wurde eine Spannung in der Beurteilung der Bundes­schlussarbeit deutlich und von John Lamola in aller Widersprüchlichkeit formuliert, Einerseits: Die Südafrikanerlnnen werden sich in Zukunft mehr auf sich selber konzentrieren. Die Bundesschlussbewegung ist in Südafrika wie international nicht bekannt geworden. Auch im SACC ist das Programm nicht wirklich verankert. Es ist ein deutsches Programm geblieben.

Die ökumenische Bewegung hat die Möglichkeiten der Bundesschlussidee nicht aufgenommen. - Also heißt das: Ende der Arbeit? - Aber dann andererseits: Die Bundesschlussidee soll und muss weitergehen. An der Verankerung dieser Idee in den Kirchen muss weitergearbeitet werden, auch im SACC. Die Aktion Bundesschluss ist basisnah und insofern vom Ansatz her richtig. Und dann der Spitzensatz, bei dessen Verlesung aus dem Protokoll des Treffens wir hellauf lachen mussten: Bundesschluss ist - in verbesserter Form – die Chance, die ökumenische Bewegung zu retten. Also, da wurde der Bogen denn doch überspannt. Aber abgesehen davon wird das Problem deutlich, mit dem wir bis heute kämpfen: Die Idee ist gut, aber die Umsetzung steckt immer noch in den Anfängen - trotz 15 Jahren Arbeit! Als uns John Lamola verließ, blieben wir zurück mit der Unsicherheit: Ist das Programm nun eigentlich ein geliebtes oder ein unge­liebtes Kind des SACC?

Diese Frage wurde dadurch erneut verschärft, dass nach dem Weggang von Piet Moatshe (schon im Herbst 1993) nicht wirklich nachdrücklich nach einem Nachfolger gesucht wurde. Es dauerte bis März 1995, bis Zakes Nkosi eingestellt wurde. Inzwischen hatten sich in den neun Provinzen die Provinzkirchenräte gebildet, und es zeichnete sich ab, dass neben dem Coordinator in Johannesburg die kontinuierliche Arbeit des Kontaktes zu den Gemeinschaften eher bei den Fieldworkern in den Provincial Councils lag, wem sie sich denn auf den Arbeitsauftrag "Bundesschluss" einließen. Zakes Nkosi ging mit viel Liebe m die Arbeit, fand schnell Kontakt zu den Gemeinschaften und ermutigte bei seiner Rundreise 1996 in Deutschland alle Gruppen zum Weitermachen. Er hatte viele gut Pläne im Kopf, arbeite­te dann für unsere Gefühle doch manchmal etwas kopflos - oder hatten wir einfach zu wenig Einsicht in die internen Probleme des Kirchenrats? Seine Kündigung im September 1998 kam jedenfalls überraschend; wir wurden erst Wochen danach offiziell davon in Kenntnis gesetzt.

Hier möchte ich ein Wort zu den Facilitatorn sagen: Wir haben da eine Reihe von außerordentlichen Menschen vor uns. Jede und jeder hat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, aber wirklich alle - und dazu könnte ich stories über stories erzählen -, aber wirklich alle haben auf unterschiedliche Weise dazu beigetragen, dass die Bundesschlussverbindungen unterstützt wurden und vorankamen. Das sind sehr dürre Worte für eine immense Arbeit, die getan wurde. Seid alle nochmals herzlich dafür bedankt!!! - Wir haben zudem verschiedenen Landeskirchen, vor allem der nordelbischen, für die Finanzierung der MitarbeiterInnen in Südafrika zu danken. Besonders hat mich gefreut, dass die Stipendienanfragen, die über das Deutsche Nationalkomitee an den Ökumenischen Rat der Kirchen gelangten, ausdrücklich gern gewährt wurden; dort war Bundesschluss als förderungswürdig bekannt und geschätzt.

Hier in Deutschland wurde immer deutlicher, dass viele Bundesschlussgruppen „Bundesschluss als Lebensform“ in der Weise praktizierten, dass sie vor Ort in die Asylsuchen-, Flüchtlings- oder Ausländerarbeit, Obdachlosen­ oder Arbeitslosen-Initiativen einstiegen. Durch die immer wieder stockende Kommunikation mit den Gemeinschaften in Südafrika rückte diese Arbeit manchmal mehr an den Rand. Einige Gruppen konnten über zu viel Schweigen hinweg die Verbindung nicht halten. Das Netzwerk wurde kleiner. Auch einen Anlauf, über die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen andere Kirchen für den Bundesschluss zu interessieren, haben wir vorläufig storniert, weil wir keine genügend verlässlichen Angebote hätten machen können.

Die Kontakte zu den anderen im Bundesschluss engagierten Länder entwic­kelten sich leider nicht gut. Die kleine Gruppe in den Niederlanden mit Lydeke van Citters löste sich 1993 aus der Arbeit; zu den Nordamerikanern haben wir beim besten Willen keine ernsthafte Verbindung aufbauen können; am schönsten war die Kooperation mit der Schweiz, geführt von Anregtet Cescatti. Leider hörte dort die Arbeit inzwischen ebenfalls auf, weil die Lücke, die durch den plötzlichen Tod von Annegret 1999 entstand, nicht geschlossen werden konnte.

Neben diese Art des Abbaus trat die verstärkte Kooperation mit den Gruppen, die in der Südafrika-Solidarität zu Hause sind. Wie es sich schon in Ehringerfeld angekündigt hatte, ergab sich ein erster Zusammenschluss in der Koordination Südliches Afrika - KOSA. 1995 folgte die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA), in der viele Gemeinden und Institutionen sowohl von katholischer wie evangelischer Seite an die Thematik Südafrika - wenn auch vor allem finanziell - gebunden werden.

Waren im Bundesschluss früher die Delegiertenkonferenzen eher Ermutigungstreffen gewesen, die den eigenen inneren Schwung wieder verstärkten, wurden sie in den letzten Jahren eher zu Selbstvergewisserungstreffen. Ist das, was wir tun, sinnvoll? Wir trafen uns Anfang 1997 zusätzlich zu einer knapp viertätigen Klausur in Hannover und versammelten uns in kleinerem Kreis in Münster und Saarbrücken zu Regionalseminaren. Ein großer Zugewinn war die von Michael Nyawo mitgebrachte Idee der parallelen Bundesschlussgottesdienste. Seit 1996 sind sie in vielen Gemeinden zum festen Bestandteil der Friedenswoche geworden. Hier und da gelingt sogar inzwischen der Fürbittenaustausch in den Bundesschlussverbindungen.

Und immer wieder blieb die Frage: Was ist dran für uns? Ja, in Südafrika konzentrierte mm sich wirklich starker auf sich selbst. Die Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission wurde von uns mit höchstem Interesse begleitet. Die Landfrage kam - entgegen den Hoffnungen von John Lamola - eher zögerlich - voran. Es wurde immer deutlicher, wie lang die Schatten der Apartheid sind! Wir sahen, wie das RDP von der neuen Konzeption des GEAR (Growth, Employment and Reconstruction) aufgeso­gen wurde. Was war dran für uns? Protest gegen Rindfleischdumping durch deutsche Exporte nach Südafrika, Freihandelsabkommen zwischen EU und Südafrika - Themen, in die sich jede und jeder erst einarbeiten musste. Gut, dass es KOSA und KASA gab, die diese Problematiken mit dem nötigen Sachverstand aufgreifen konnten. Bei KASA begannen die Vorarbeiten zur Kampagne zur Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika. 1997 kommt die Kampagne Erlassjahr 2000 in Deutschland in Gang. An ihr beteiligen sich viele Bundesschlussgruppen, hoffentlich auch an der geplanten Nachfolgeorganisation.

Einen sinnfälligen Ausdruck dafür, dass die Arbeit hier bei uns vor Ort allmählich eine höhere Wertschätzung gewonnen hatte, zeigte sich für mich in der Entscheidung der Delegiertenkonferenz 1997, die finanziellen Beiträge der Gruppen 50:50 auf die Arbeit in Südafrika und hier zu verteilen.

Manchmal war das Gewicht der hiesigen Arbeit in dieser Zeit größer als die Partnerschaftsarbeit, was aber nicht die Tendenz zum Aufgeben einschloss. Vielen von uns ist sicher noch der Satz von Albert Whittles im Ohr, den er am Ende seiner Predigt bei der Delegiertenkonferenz in Hamburg sag­te: "Schenkt uns ein weiteres Jahr eurer Solidarität!" Diese Bitte gilt bis heute.

 

3. Gegenwärtige Situation und Ausblick

Wir bedauern alle, dass es in nächster Zukunft keinen Facilitator mehr beim Covenant and Land Programme im SACC geben wird. Ob sich vielleicht einmal Ideen für eine Mitarbeit in Provinzkirchenräten ergeben werden, lasse ich offen. Wir bleiben vorerst für den SACC das geliebte-ungeliebte Kind Bundesschluss, Alle, die mit Eddie Makue in den vergangenen Jahren sprachen, werden die Erfahrung gemacht haben, dass er sich im unmittel­baren Gespräch als Liebhaber und Kenner des Bundesschlusses zeigt, mit Verständnis für Schwierigkeiten und guten Ideen für deren Lösung. Wir haben aber ebenso die Erfahrung gemacht, dass die guten Gespräche wie ein schönes Ereignis ohne Folgen sind. Ob sich mit der Wahl eines neuen Generalsekretärs/einer neuen Generalsekretärin daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Mit Sicherheit wird es wichtig sein, in einem sinnvollen Zeitrahmen mit ihr oder ihm darüber persönlich ins Gespräch zu kommen, wie die Zukunft des Bundesschlusses gesehen wird.

In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit mit den beiden wichtig­sten Provinzkirchenräten, KwaZulu Natal und North West verbessert durch das hohe Engagement von Mongezi Ginya und Raditau Mosala. Münster steht dabei mit Reagile allerdings auf der Verliererseite, weil dort zur Zeit wohl auch der beste Fieldworker nichts bewegen kann. Der Kontakt zu den Boomplaats-Leuten ist durch Karins Zeit in Südafrika und ihre schnelle Reise zum Festakt der Landrückgabe Anfang Februar 2001 gesichert. Schwieriger ist es mit den Gemeinschaften, bei denen der Kontakt zu den Kirchenräten in der Provinz nicht klappt. Trotzdem wage ich zu sagen: Wir können mit der Kontaktlage zufrieden sein.

Die Verbindungen weiter zu pflegen und zu intensivieren, liegt in der Ver­antwortung der einzelnen Gruppen. Hier kann die Koordination beraten oder mit überlegen, was am besten zu tun oder zu lassen ist. Wir können die Inhalte der Bundesschlussarbeit im Zusammenhang mit unseren Partnern nicht sehr handfest benennen. Die gegenseitigen Besuche werden wichtig bleiben. Überschaubare, kleine Projekte wird es weiterhin geben. Es gibt Themen, die sich inzwischen aufdrängen. Das gilt vor allein für das Problem HIV/Aids. Die Bundesschlussgruppen sind außerdem die Gewähr dafür, dass das Thema „Südafrika“ nicht aus dem Blickfeld der Gemeinden und - nach Möglichkeit - der Öffentlichkeit verschwindet.

In der folgenden Übersicht habe ich zusammengestellt, mit wem wir koope­rieren, mal mehr, mal weniger - je nach Thematik und Möglichkeit. Ich weist darauf noch mal so intensiv hin, weil ich davon überzeugt bin, dass niemand die nötige Arbeit allein tun kann, In der Kooperation können sich unterschiedliche Schwerpunkte ergänzen und gegenseitig verstärken. Wir brauchen die Expertise der Anderen, weil wir nicht in allen Bereichen fit sein können.

 

Vernetzung

Aufzählung

KOSA - Koordination Südliches Afrika - Netzwerk vieler deutscher Initiativen zum Südlichen Afrika

Aufzählung

Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika mit umfangreichen Materialien zur "Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika"

Aufzählung

EKSA - Evangelische Konferenz Südliches Afrika, wechselnde Geschäftsführung

Aufzählung

Informationsstelle Südliches Afrika e.V., Herausgeberin der Zeitschrift "afrika süd"

Aufzählung

Oekumenischer Informationsdienst

Aufzählung

Kairos Europa, Heidelberg

Aufzählung

medico international, Frankfurt

Aufzählung

Frauen für Gerechtigkeit, Münzgasse 15, 72070 Tübingen

Aufzählung

Pro Asyl, Frankfurt a.M.

Aufzählung

FIAN international Foodfirst Information & Action Network, Heidelberg

Aufzählung

Erlassjahr.de, Siegen

Aufzählung

Weltfriedensdienst, Berlin

 

Ich fasse in einem kurzen Ausblick zusammen:

Aufzählung

Ich übergebe ein kleines überschaubares Netzwerk von mehr oder minder funktionierenden Bundesschlussverbindungen.

Aufzählung

Ich übergebe die Bundesschlussarbeit im Blick auf Südafrika in einer Situation, in der die Provinzkirchenräte Ansprechpartner für Bundesschluss sind, der SACC in der Person von Eddie Makue Informationsstelle für wichtige Schritte in den Bundesschlussverbindungen.

Aufzählung

Ich übergebe den Bundesschluss in einer Situation, in der er im Netzwerk der Solidaritätsarbeit in Deutschland bekannt ist und als verlässlicher Partner gilt.

Aufzählung

Ich übergebe die Bundesschlussarbeit in einer Zeit, in der wenig Informa­tionen zum Südlichen Afrika über die Medien kommen. Ich gehe davon ans, dass sich die Gruppen durch Lesen von "afrika süd" und durchs Internet ausreichend informieren.

Aufzählung

Ich übergebe die Bundesschlussarbeit in der Überzeugung, dass wir in den letzten Jahren gelernt haben, wirklich auf zwei Füßen zu gehen: Partner­schaftspflege und politische Einmischung.

Aufzählung

Ich übergebe den Bundesschluss finanziell in guter Ausstattung. Es kann sein, dass der ABP die Zuwendungen noch mal kürzen muss und auch die Beiträge der Gruppen schrumpfen. Die Rücklagen werden aber manches ab­fangen können.

Aufzählung

Unsere Wahlsprüche gelten immer noch:

  • Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.

  • Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, dann vergeudest du deine Zeit. Wenn du aber gekommen bist, weil deine Befreiung mit der meinen zusammenhängt dann lass uns zusammenarbeiten!

Aufzählung

Ideen und Überlegungen, die schon einmal aufgetaucht sind und vielleicht neue und weitere Überlegungen für die weitere Arbeit anregen können, sind im Folgenden zusammengestellt.

 

Wiederholung und Gemeinschaft als Wegzehrung

Reichlich acht Jahre Bundeskoordination - was war das für mich? 

Aufzählung

Ich war und bin verliebt in das Projekt "Bundesschluss"

Aufzählung

Am schwierigsten waren die Anträge an den ABP: Wie gelingt eine Vision für die Arbeit eines nächsten Jahres in kontrollierter Selbstüberschät­zung und Hoffnung auf Teil-Verwirklichungen?

Aufzählung

Getragen hat mich die Gemeinschaft: Vor Ort waren das die Nordelbierinnen aus dem Koordinationsausschuss und unseren vielen Arbeitsgruppen zum Rundbrief, zum Material für Gruppen und Gemeinden.... Ebenso wichtig waren die Menschen im Komitee zur Diskussion, Rückenstärkung und Ermutigung. Ohne diese Gemeinschaft wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Es ist uns gelungen, Frustration und Hoffnung, Arbeit und Spaß, Enttäuschungen und Ideen in eine erträgliche Balance zu bringen. So wurde für mich Gemeinschaft zur Wegzehrung.

Aufzählung

Der Geduldsfaden - erinnert Ihr Euch noch, wie ihn Werner Schumann nach Düren mitbrachte? - ja, der Geduldsfaden war ein wichtiges Arbeits­material für mich. Er ist immer mal wieder überdehnt worden und gerissen und wurde wieder angeknüpft, d.h. der Geduldsfaden hat jetzt viele, viele Knoten, dicke und dünne und könnte viele Geschichten erzählen. Es gab Misslingen, Enttäuschung, Schmerz und Trauer ...  Es gab Hoffnung, Neuanfang, schöne Überraschungen, wunderbare Begegnungen und Gespräche...

Aufzählung

Zum Geduldsfaden gehört noch etwas anderes, was ich vor allem in diesen Jahren gelernt habe: Es steckt ein Reichtum in der Notwendigkeit, immer noch einmal von vom zu beginnen; keine Wiederholung ist deckungsgleich mit dem Original. Jeder erneute Beginn des scheinbar Selben, jede erneute Erklärung des scheinbar Gleichen ist vielleicht mühsam, aber nicht umsonst. Ich bin aufmerksamer auf die kleinen Veränderungen gewor­den, kann mich an dem kleinen Gelingen freuen, bin gelassener.

Aufzählung

Was haben wir erreicht? Wir sind an der Seite unserer Partner geblieben. Wir haben versucht, uns hier in ihrem Interesse einzumischen. Wir können keine spektakulären Ergebnisse vorweisen. Wir bemühen uns darum, dem Bundesschluss eine Lebensform zu geben.

Ich sehe uns mit unseren Partnern in einer wüstenähnlichen Weltsituation auf einer Wüstenwanderung. Ich sehe Oasen in dieser Wüste - mit brennenden Feuern - darum herum geschart Menschen - miteinander redend - auf Augenhöhe - lauschend - schweigend - das Leben teilend. So möge es immer wieder sein! Das wünsche ich dem Bundesschluss, dem ich verbunden bleiben werde.

 

Ich danke Euch für Euer Vertrauen!

Ich danke Euch für Eure Geduld mit mir!

 

Adelheid Wiedenmann

 

 

Die Aktion Bundesschluss wird gefördert aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.