Mogopa (North West) - Baden

Mogopa - Land ist Leben, und Land ist Gerechtigkeit

Mogopa - Land is life, and land ist justice

Rundbrief 01 / 2003

Rundbrief 01 / 2001

 

Schreiben an die Partner in Deutschland. (Photo: Kathrina Bahr 1999)

 

 

 

Fieldworker Raditau Mosala mit Mitgliedern des Bundesschlusskomites in Mogopa.

(Photo: Kathrina Bahr 1999)

 Rundbrief 1/01 - Mogopa

Heidelberg, den 20. August 2001

Liebe Freundinnen und Freunde von Mogopa!

Über ein halbes Jahr ist seit dem letzten Rundbrief vergangen und es wird höchste Zeit, euch auf den neuesten Stand der Entwicklungen zu bringen. Um es vorwegzunehmen: sie sind durchweg positiv und gehen in Richtung professionelle Organisation der Landwirtschaft in der Gemeinschaft. Dass dies nicht von heute auf morgen zu schaffen und Unterstützung nötig ist, ist sicher mehr als verständlich.

Noch immer steht das Problem im Raum, dass die südafrikanische Regierung auf der Bezahlung der im Rahmen des Reconstruction and Development Programme der Regierung Mandela ursprünglich kostenlos zur Verfügung gestellten 12 Landmaschinen besteht. Um den Druck von der Gemeinschaft zu nehmen, diese Maschinen bei Nichtbezahlung wieder zurückgeben zu müssen, haben wir nun zu Beginn dieses Jahres aus den von euch gespendeten Gel­dern DM 10.000,-- an die entsprechende Regierungsstelle (Department of Agriculture, Conservation and Environment) überwiesen. Ob der Regierung diese Summe anstatt des von ihr angesetzten Betrages von Rand 122.000 (DM 42.000) ausreicht, ist noch nicht gewiss – eine weitere Aufforderung zur Bezahlung bzw. Rückgabe ist jedenfalls bisher nicht erfolgt und unsere Freunde sind weiterhin in der Lage, die größeren Ackerflächen, auf denen vor allem Mais gedeiht, zu bestellen. Als eine weitere Aktion haben wir Molefe Tsele, den jetzigen Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrates (SACC) gebeten, sich bei der Re­gierung dafür einzusetzen, dass weitere Zahlungsaufforderungen (s.u.) ihrerseits an die Gemeinschaft unterbleiben. Molefe ist sicher vielen von euch be­kannt, da er als ehemaliger Generalsekretär von ESSET (ei­nem unabhängigen ökumenischen Institut in Johannesburg, das die Kirchen in wirtschaftspolitischen Fragen berät) unserer Solidaritätsarbeit mit Südafrika seit Jahren verbunden ist und auch schon bei uns, z.B. in den Öku-News, zu Gast war.

 

Das zweite finanzielle Problem für die Mogopa-Gemeinschaft ist die Rückzahlung von Krediten, die sie für den Kauf von Saat­gut bei der Land­bank aufgenommen hatte. Die Summe einschließlich des ex­trem hohen Zinssatzes von 26% beträgt gegenwärtig Rand 30.000. Abgegolten werden kann diese Summe möglicherweise durch Tantiem, die der Gemeinschaft durch den Abbau von auf ih­rem Territorium lagernden Diamanten zustehen. Die Rechtslage ist allerdings noch nicht en­gültig geklärt: Ein neues Gesetz (Mining Bill) ist in Vorbereitung, nach dem die Schürfrechte von Privatpersonen auf den Staat übergehen sollen. Allerdings hat die Gemeinschaft eine Sonderstellung durch ihre besondere Eigentums- und Verwal­tungsform (Gemeinschaftseigentum), so dass sich daraus auch eine besondere Rechtslage ergeben könnte. Mr Blaker, ein unabhängiger Landwirtschaftsberater aus Südafrika, der sich für Mogopa einsetzt, hat der Gemeinschaft geraten, in dieser Frage Rechtsbeistand in Anspruch zu nehmen. Inwieweit dieser schon wirksam wurde, ist uns bisher leider nicht bekannt.

 

Die beiden oben genannten finanziellen Eng­pässe waren, wie ihr wisst, der Grund dafür, mit Brot für die Welt in Verhandlung zu treten, nachdem die Delegation aus Mogopa, die uns im Juli 2000 besuchte, während ihres Aufenthaltes einen entsprechenden Antrag auf Übernahme zumindest eines Teils der Kosten für die Landmaschinen an BfdW gestellt hatte. Am 1. März d.J. erreichte uns nun ein Schreiben der Organisation, in dem uns mitgeteilt wurde, dass dem Projekt vorerst nicht zugestimmt werden könne. Dieser Absage lag der sogenannte „Business Plan“ zugrunde, den BfdW vom Mogopa Trust angefordert hatte, um sich einen Überblick über die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Gemeinschaft zu verschaffen. Der Trust hatte den Plan zusammen mit dem Leiter des Pilotprojektes für nachhaltige Landwirtschaft in Wilgespruit, Mr Shepherd,  aufgestellt. In den Augen von BfdW enthielt er jedoch zu viele „Unwägbarkeiten“ und ging zu wenig auf die derzeitige konkrete Situation ein, um überzeugend in der Weise zu wirken, dass ein wirklich tragfähiges Konzept hinter der Gesamtplanung stünde. Bemängelt wurden vor allem fehlende Angaben bezüglich der voraussicht­lichen Wirtschaft­lichkeit und der ökologi­schen Verträglich­keit bzw. Nachhaltigkeit des Farmprojektes. Das Schreiben schloss mit dem Satz: „Sollte die Gemeinde und der Mogopa Community Trust daran interessiert sein, ihre landwirtschaftliche Produktion auf einen ökologischen und standortgerechten Anbau umzustellen, so könnten wir über eine Kooperation erneut verhandeln.“

 

Die vorläufige Absage war zwar zunächst alles andere als erfreulich, doch hat sie andererseits die Gemeinschaft dazu ermutigt, ihre Vorhaben noch einmal gründlich zu überdenken, zu konkretisieren und neben konventionellen Anbaumethoden langfristig auf eine ökologische Verträglichkeit zu setzen. Ein neuer „Business Plan“ soll nun erstellt werden, der konkrete Vorhaben und Zahlen aufweist.  Nicht nur als Vorlage für einen neu zu stellenden Antrag an Brot für die Welt wird er dienen, sondern auch und vor allem als Grundlage für die eigene Arbeit.

 

Im April d.J. besuchten Ulrich Duchrow aus Heidelberg und Wolfram Kistner aus Johannesburg Mogopa. Mit ihnen gingen die bei­den Landwirtschaftsberater Mr Shepherd und Mr Blaker sowie Pastor E. Dedekind von der Lutheran Church in Parkview. Dabei kam es zu einer Begegnung mit Sr. Angelika Laub vom „Wilgespruit Fellowship Centre“, einem landwirtschaftlichen Trainingszentrum unweit von Mogopa. Sr. Angelika wird diejenige sein, die den neuen Business Plan zusammen mit den von der Gemeinschaft dafür vorgesehenen Mitgliedern aufstellen wird. Noch in diesem Monat soll mit der Arbeit begonnen werden. Die Vorbereitungen hierfür sind schon weit gediehen: Sr. Angelika hat alle Informationen, die sie aus dem o. g. Besuch im April gewonnen hat, in einem Bericht zusammengefasst und dabei alle bisher gewonnenen Erkenntnisse, die die bereits vorliegenden Berichte enthielten, mit eingearbeitet. Ihre Aufzeichnungen vom April sind seit Anfang Mai auch in unseren Händen. An zwei von ihr geleiteten Workshops, von denen einer sich mit nachhaltigen landwirt­schaftlichen Methoden und der andere mit Managementfragen befasste, nahmen insgesamt 10 Personen aus Mogopa teil. Dieser und weitere Workshops haben u.a. das Ziel, die Beteiligten zu befähigen, landwirtschaftliche Arbeit besser planen und koordinieren zu können. Sobald der neue „Business  Plan“ steht, soll ein zweiter Anlauf an BfdW gestartet und ein neuer Antrag gestellt werden - natürlich vom Mogopa Trust selbst. Diesmal wird es aber nicht wie das letzte Mal auf einen Eilantrag hinauslau­fen, sondern darauf, Begleitung für ein zukunftsfähiges Konzept anzufragen.

 

Soviel ist klar: bei allem Engagement dieser großartigen und starken Gemeinschaft ist doch abzusehen, dass - wenngleich auch, so hofft man, die Grundversorgung der 320 Familien (3700 Personen) irgendwie ge­währleistet werden kann - das Rechnen und Wirtschaften quasi von heute auf morgen auf die Dauer unbefriedigend ist und zu Ängsten und Unsicherheiten führt. Die bereits erwähnten Stresssituationen, zu denen neue hinzukommen (z.B. die anstehende Vermessung des Landes und die sich daraus ergebenden Konsequenzen, dass an den Staat Steuern gezahlt und ir­gendwelche „Leistungen“ erbracht werden müssen) und die nicht gerade günstigen Grundvoraussetzungen (noch fehlt es an Vieh, das allen zugute kommt – das Weideland ist aber sehr karg -, Bäume sucht man nahezu vergebens, Geflü­gelzucht wird nur in sehr begrenztem Rahmen durchgeführt, die Absatzbedingungen und –preise für cash crops schwan­ken stark und sind daher schwer kalkulierbar usw.) würden die Gemeinschaft auf zu starke Belastungs- und Zerreißproben stellen, gäbe es da nicht ein gewisses „Inschutznehmen“ durch eine starke ökumenische Organisation zumindest für die strapaziöse und mit Gefahren besetzte Anfangszeit, die die Gemeinschaft ja immerhin noch zu überstehen hat. 

 

Noch ist der Plan nicht erarbeitet, der Antrag nicht gestellt. Niemand kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt sagen, ob Mogopa schon bald zu einem „Brot-für-die-Welt-Projekt“ erkoren wird oder nicht: auch innerhalb kirchlicher Einrichtungen ist Lobbyarbeit nötig. Dass jedoch einer der Landwirtschaftsberater von BROT bereits im August vorigen Jahres in Mogopa war, sich einen Tag Zeit genom­men hat, die Situation zu erkunden und der Kontakt zwischen ihm und Pule Mohutsiwa, dem Vorsitzenden des Mogopa Community Trust, relativ rege ist, zeigt jedoch, wie eng die Kontakte bereits sind. Man muss si­cherlich nicht betonen, wie wichtig auch unser Netz – das Netz der Mogopa-Partner und –Partnerinnen in Baden zum Auffangen ist: dann nämlich, wenn alle Stränge reißen oder auch einfach als Gewissheit des sich gegenseitigen Tragens. In diesem Sinne hat das Netz bisher gehalten: die gegenseitigen Besuche haben vielen von uns – in Deutschland und Südafrika gleichermaßen – Kraft zum Weiterkämpfen gegeben. Diese Kraft gilt es immer wieder aufs Neue aufzubauen und zu stärken, wobei Ideen gefragt sind und dankbar aufgenommen werden. Dezentrale Strukturen und Netzwerke wie das unsere sind zwar oft organisatorisch schwer zu überblicken, dafür haben sie aber den Vorteil, sich schneller zu verzweigen und kreativer arbeiten zu können als streng organisierte „Mitgliederorganisationen“ ...

 

Schnell noch ein Wort zum Geld: nach Abzug der DM 10.000 für die Landmaschinen sind immerhin noch DM 9.642,48 auf unserem Konto – ein Betrag, über dessen Verwendung wir natürlich genau Buch führen und euch in regelmäßigen Abständen Rechenschaft ablegen werden. In Südafrika anfallende Kosten wie z.B. für Sr. Angelika werden zunächst von unserem in Südafrika befindlichen Bundesschlusskonto gedeckt. Sollte dies irgendwann aufgebraucht sein, ist es sinnvoll, weitere dort anfallende Kosten der Bundesschlussarbeit mit Überweisungen aus Deutschland zu begleichen. Im Moment ist aber, wie gesagt, noch ein gutes Polster vorhanden, was nicht heißt, dass keine Spenden mehr  gebraucht werden - im Gegenteil: eine gewisse Summe parat zu haben, bedeutet auch, schnell reagieren zu können, sollten finanzielle Engpässe entstehen. Das Konto ist übri­gens nicht mehr beim Ökumenischen Netz, sondern direkt bei der Badischen Landeskirche angesiedelt.  Spendenbescheinigungen an euch wird der Ober­kir­chenrat in Karlsruhe in Zukunft schnell und unkompliziert ausstellen. Wichtig ist jedoch, dass ihr bei der Ein­zahlung Name und Ad­resse an­gebt, damit die Quittung auch den richtigen Spender/die richtige Spenderin erreicht. Bitte überweist also eure Spenden auf  das

 

Konto  11 065 46

Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe,´

Stichwort: Aktion Bundesschluss/Mogopa

Sparkasse Heidelberg (BLZ 672 500 20).

 

 

Herzlich grüßt euch

 

Eure

 

Ilona Borszik

 

 

Im Namen der Mitglieder des Koordinierungskreises    

       

Rundbrief 1/03

Heidelberg, den 24.2.03

 

Liebe Freundinnen und Freunde, 

viele Monate sind seit unserem letzten Rundbrief vergangen und es wird höchste Zeit, euch mit Neuigkeiten zu versorgen.  

Von dem Vorhaben in Mogopa, die Landwirtschaftsproduktion schrittweise auf Öko- bzw. Biolandbau umzustellen, hatten wir das letzte Mal recht ausführlich berichtet. Und daran wird nun in Mogopa kräftig gearbeitet – die Zusammenarbeit mit Sr. Angelika klappt sehr gut und mehrere Workshops konnten schon stattfinden. An diesen nahmen und nehmen nicht nur VertreterInnen aus Mogopa, sondern auch aus den umliegenden Dorfgemeinschaften teil. Inzwischen haben wir erfahren, dass sich sechs Dörfer zusammengeschlossen haben und das „Kopanelo Ecological Farmers Committee“, einen Verband der Biobauern, gründeten. Dass Engpässe im Saatgut und Probleme beim großflächigen Anbau von cash-crops und deren Vermarktung direkt zum Biolandbau führen würden, haben sich das Agrarkomitee des Trustes und die rührigen Landwirte Mogopas im September 2001 vielleicht selbst nicht träumen lassen. Zu diesem Zeitpunkt traf man sich im Wilgespruit Fellowship Centre, um das erste Mal über eine Umstellung zu beraten,  nachdem die Ernte 2001 nicht gut war und für Saatgutkäufe Kredite aufgenommen werden mussten. Nicht zuletzt die „Visitationen“ von BfdW (in Person des unabhängigen Beraters Berthold Schrimpf) im August 2000 bzw. von TRAC (Transvaal Rural Action Committee) im September des gleichen Jahres haben dazu beigetragen, nun Nägel mit Köpfen zu machen und die Umstellung mit regelmäßig stattfinden Workshops zu begleiten bzw. umgekehrt. Inzwischen werden von den 4.000 ha Farmland 50 ha nach ökologischen Kriterien bestellt, ein Anfang ist gemacht – das „Umdenken“ auf dem Stück Land hinterm Haus, das jede Familie hat, nicht mitgerechnet ...

Im März 2002 erreichte uns dann ein Brief von Pule Mohutsiwa, in dem er seinen nächsten Besuch – gemeinsam mit seinem Stellvertreter und Vorsitzenden des  Agrarkomitees des Trusts, Victor Ephraim Mogomotsi – bei den Bundesschlusspartnern und -partnerinnen in Baden ankündigte. Da nur 10 Tage zur Verfügung standen (vom 7. - 16. Juli 2002) und es sich gewissermaßen um einen Arbeitsbesuch handelte, war die Zeit knapp, um wirklich ausgiebige Treffen mit FreundInnen zu organisieren. Dennoch wollten die beiden unbedingt nach: Stuttgart, Freiburg, Laudenbach, Mosbach und Heidelberg. Dass schließlich daraus Heidelberg, Heddesheim, Karlsruhe, Mosbach / Neckarelz / Hassmersheim / Bödigheim und Mannheim wurden, war keine Fehlplanung, sondern fügte sich eins ums andere: in Heddesheim, der ersten Station ihrer Reise nach einer „Aufwärmphase“ in Heidelberg, wollte man die beiden unbedingt bei den „Evangelischen Gemeindetagen mit internationalen Gästen“ dabeihaben, bei denen es um Gemeinsinn unter Privatisierungsdruck ging – „Verkauft bloß nicht das Wasserwerk“ war das Thema. Wer hätte zu Gemeineigentum und –sinn nicht mehr zu sagen als Vertreter einer Selbstverwaltung, für die nicht nur das Wasser gemeinnützig ist ...!

Am nächsten Tag ging’s ebenso spannend weiter: eine koreanische Besuchsgruppe, die sich aus VertreterInnen von Zwillingspartnerschaften zusammensetzte, weilte in Baden und bestritt mit Pule und Victor die Öku-News. Aufs Neue waren wir alle von der Einmaligkeit fasziniert, wie die Menschen in Mogopa zusammenleben. Es ist kaum zu glauben, dass das Miteinanderteilen so gut klappt und es nicht doch zu diesen oder jenen Diskrepanzen kommt. Doch davon war nirgends die Rede – vielleicht müsste man einmal gezielt nachfragen – jedenfalls scheint das Geben und Nehmen, das alle in der Gemeinschaft von sich aus so wollen, weit besser zu funktionieren als  „von oben“ verordnete „Gemeinschaftlichkeit“: die Arbeit teilen die Menschen in Mogopa so unter sich auf, dass jeder und jede beschäftigt, also angestellt ist – beim Trust, bei der Gemeinschaft selbst. Natürlich gibt es auch Leute, die außerhalb Mogopas arbeiten – in den Städten, in Diamantenminen, oder jene, die Sozialhilfen bzw. Pensionen beziehen. Irgendwie scheint es zu funktionieren, dass die Ressourcen – sei es in Form von Geld oder in Form von Arbeitskraft – in der Gemeinschaft zirkulieren und schließlich jeder und jede davon leben kann und darf. Übrigens war die Gemeinschaft zum Zeitpunkt der Besuchsreise schuldenfrei – noch bestehende Kredite z.B. konnten von den Tantiemen der Diamantenmine bezahlt werden so wie man es sich erhofft hatte. Inzwischen hat auch jede Familie ein Haus, dass ihr von der Community solange überlassen wird, wie sie es nutzen will, danach gibt sie es der Community zurück. Was da in Mogopa im großen, allumfassenden Stil gelebt  wird ist „Obundo“, was bedeutet, das gemeinsame Eigentum untereinander zu teilen. Mogopa stellt ein Alternativmodell zur „Wachstumspolitik“ der Regierung dar und ist etwas Einmaliges in Südafrika überhaupt! Grundvoraussetzung dafür, dass dieses Modell funktioniert, ist der gemeinschaftliche Landbesitz, was ja in Mogopa der Fall ist. Ein Gegenbeispiel ist Tansania, wo Präsident Nyere den gemeinsamen Landbesitz quasi per Dekret verordnete (ujama), indem er ehemaliges Stammesland willkürlich an Gemeinschaften verteilte.

Die Regierung Südafrikas hat es sich 1994 zur Aufgabe gemacht, die landwirtschaftliche Produktion in den schwarzen Gemeinschaften durch ein spezielles Entwicklungsprogramm zu unterstützen. Inzwischen gibt es 6 weitere (schwarze) Dorfgemeinschaften aus dem Umkreis, die dabei sind, das „Modell Mogopa“ zu übernehmen. In Vorbereitung des Weltsozialgipfels, der im September 2002 in Johannesburg stattfand und an dessen Vorbereitungen (des Gegengipfels) Mogopa direkt beteiligt war, kämen auch zunehmend Besucher aus dem Ausland nach Mogopa, fügte Pule noch hinzu.

Am nächsten Tag, dem 10. Juli, stand ein Besuch beim Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe, Abt. Mission und Ökumene, auf dem Programm. Als Teil des Ökumenischen Netzes Baden ist die Bundesschlussarbeit der Gruppe Baden-Mogopa eng mit der Evangelischen Landeskirche in Baden verbunden. Gesprächspartner waren Herr Heinrich, der Verantwortliche für den Kirchlichen Entwicklungsdienst, und Herr Zeilinger, der u.a. mit der Weiterführung des Konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung innerhalb der Landeskirche befasst ist. Zwei Bundesschlusspartnerinnen aus dem Raum Karlsruhe, Frau Fehrholz und Frau Zeilinger, kamen am Nachmittag noch hinzu. Der wichtigste Eindruck, den die Gäste von ihrem Besuch beim EOK gewonnen haben, ist, dass ihre Arbeit dort nicht nur bekannt, sondern auch eingebunden ist in die (welt)weite Partnerschaftsarbeit der badischen Landeskirche: beim EOK verhandelt man nicht nur auf höchster Ebene – in dem Fall mit dem Südafrikanischen Christenrat SACC – sondern auch mit den Aktivisten von der Basis. Hier weiß man, dass diese viel zu sagen haben, wenn sie eine solch weite Reise auf sich nehmen. Die Informationen, die Pule und Victor im EOK vermittelten, waren beeindruckend und für beide Seiten motivierend, die Zusammenarbeit weiterzuführen und zu intensivieren. Ein wichtiger  Programmpunkt der Gespräche war der geplante 2. Projektantrag an Brot für die Welt. Mit diesem soll nun doch – trotz beeindruckend gestalteten Entwurf, den die beiden mitgebracht hatten – doch noch gewartet werden. Unterstützung von Seiten des EOK, sollte diese benötigt werden, ist den Gästen aus Mogopa schon jetzt zugesagt worden.

Am nächsten Tag, dem 11. Juli, brachte ich Pule und Victor zum Heidelberger Hauptbahnhof, da sie für 3  Tage im Kirchenbezirk Mosbach „angemeldet“ waren. Wie ihr vielleicht wisst, gibt es in Neckarelz eine Ländliche Heimvolkshochschule LHVS (im Volksmund „Bauernschule“) die von der katholischen und evangelischen Kirche getragen wird. Als zukünftiger Landeskirchlicher Beauftragter für den Dienst auf dem Lande in Nordbaden und als damaliger Dekanstellvertreter hatte es sich Rüdiger Rutkowski zur Aufgabe gemacht, die Gäste durch das reichhaltige Programm zu „geleiten“: Gespräch mit dem Leiter der LHVS, Herrn Brauch, Betriebsbesichtigung in Hassmersheim, Treffen mit dem Landesbischof, Dr. Ulrich Fischer, Besuch auf 2 Bauernhöfen (einer davon ein ökologisch produzierender), Abend der Begegnung in den Johannis-Anstalten Mosbach ... vielleicht habe ich noch etwas vergessen, aber viel war’s in jedem Fall! Jedenfalls kamen Victor und Pule ganz begeistert zurück und hatten auch eine Abmachung in der Tasche: ein Praktikum für potentielle Öko-Bauern aus Mogopa auf einem Öko-Hof in Nordbaden im nächsten Jahr.  Inzwischen sind die Vorbereitungen dafür schon im vollen Gang – doch dazu später ... Nach einer kleinen Verschnaufpause im Quartier bei Simone und Andreas Knapp in Heidelberg-Kirchheim begaben sich die beiden in Begleitung ihrer Gastgeber zum Gemeindefest in die Wicherngemeinde, in dessen  Gemeindehaus „Arche“ , wie ihr ja wisst, der Konziliare Prozess begann, als sich vor genau 20 Jahren das Ökumenische Netz, dessen Vorläufer, gründete. An diese Tradition anknüpfend, konnten Pule und Victor einen Hauch – oder war es sogar ein kräftiger Windstoß? – gelebter Ökumene unter die Anwesenden bringen. Was sich aus den Begegnungen dort noch ergeben könnte, bleibt abzuwarten- jedenfalls zeigten sich viele Gemeindeglieder sichtlich bewegt, dass da „einfach mal“ zwei weit gereiste Menschen aus einer völlig anderen Welt unter ihnen waren.

Der Abend gehörte dann uns Heidelberger Bundesschlussleuten – „dienstlich“ ging es da – im Gegensatz zum ersten Nachmittag nach der Anreise – eher nicht zu: die unbeschwerte Stimmung der beiden griff auch auf uns über und die (wenigen) ernsten Themen wurden in der allgemeinen Heiterkeit auf die Plätze verwiesen. Pule meinte zu vorgerückter Stunde: „Das nächste Mal kommen wir mit 12 Leuten“, was sich nun bald, zu einem Drittel wenigstens, erfüllen wird. Doch da greife ich schon wieder vor ...

Montag, 15. Juli – vorletzter Tag und schon Abschiedsstimmung. Der Einkaufsbummel mit den beiden war eine Erholung – dank des zu diesem Zeitpunkt noch recht dicken Spendenkontos haben wir uns erlaubt, einige Scheine (nicht unmäßig viele) dafür abzuheben – u.a. für einen Globus ... Ein Besuch des Deutsch-Amerikanischen Instituts DAI (oder wie es jetzt heißt: Haus der Kultur) rundete den Stadtbummel ab: das DAI hat eine riesige Bibliothek englischsprachiger Bücher und verkauft jeden Dezember einen Teil davon auf dem Flohmarkt. So wurde mit dem Bibliotheksleiter vereinbart, dass auch Mogopa mit einigen Exemplaren bedacht wird – die neu zu errichtende Bibliothek  kann einen solchen Grundstock ganz gut gebrauchen. Die ersten 12 Bücher, bei denen es sich hauptsächlich um landeskundliche Bücher und Fachbücher zu Ökologie, zur Landwirtschaft und anderen Themen handelte, wurden übrigens dieser Tage von der Flensburger Bundesschlussgruppe anlässlich eines Besuches in Goedgevonden und Mogopa übergeben! Vielleicht bleibt es bei diesen wenigen Exemplaren – als ein Gruß aus Heidelberg sozusagen, aber da es um Zeichen von Freundschaft geht, ist das vielleicht auch in Ordnung so.

Am Nachmittag hieß es dann schon Packen und Abschiednehmen; der letzte Abend gehörte der Matthäusgemeinde in Mannheim-Neckarau. Dort unterhält man eine rege Zwillingspartnerschaft mit einer Gemeinde in Tembisa /SA und einer in Bielsko-Biela in Polen und so gab es einen Gemeindeabend zum Thema Partnerschaft. Nach einem Vormittag mit dem Mitarbeiter der Arbeitsstelle Kirchlicher Dienst in der Arbeitwelt der badischen Landeskirche, Martin Huhn, kamen Pule und Victor noch einmal zu einer gemeinsamen „Henkersmahlzeit“ nach Kirchheim. Wieder waren sie sehr erfüllt, sehr dankbar für diese lebendigen Begegnungen und die Freundschaften, die weiter wachsen werden. „Der Besuch in Mannheim war viel zu kurz,“ sagten sie, „das nächste Mal wollen wir länger dort sein.“ Wenn das kein Lob für die dortigen „Veranstalter“ ist!

 

Vieles, was noch erzählenswert wäre, muss unerwähnt bleiben, denn solch lange Rundbriefe liest dann womöglich keine(r). So möchte ich nun auf das zurückkommen, was ich oben schon angedeutet habe: den bevorstehenden Besuch von 4 bzw. 5 potentiellen Öko-Bauern aus Mogopa, evtl. noch aus Goedgefonden, einem Nachbardorf. Es gibt schon feste Flugdaten: Ankunft wird am 26. April und Abflug am 7. Juni sein. Obwohl es natürlich schon einen gewissen Zeitrahmen für die knapp 6 Wochen gibt, ist da auch noch viel Luft für gute Ideen, für Angebote beim Mitmachen, für Gastfreundschaft und Anlaufpunkte. In erster Linie soll es – nach den Wünschen der Initiatoren Pule und Victor – um das Kennenlernen der Situation im Ökolandbau in Deutschland und speziell in Baden  gehen. Ein vierzehntägiges Praktikum auf dem Heinrichshof in Obrigheim ist schon „gebucht“, ein zweiter geeigneter Hof wird noch gesucht. Hinweise können bei Rüdiger Rutkowski, der als neuer KDL-Beauftragter für Nordbaden u.a. für das Organisieren der Höfe  verantwortlich ist, abgegeben werden. Das Praktikum ist vom 2. bis 18. Mai geplant. Natürlich gibt es ein Einführungsseminar zum Thema und im Anschluss an das Praktikum sollen eine Reihe von Exkursionen zu Bioverbänden, evtl. zur Gepa und zur kirchlichen Beraterfirma FAKT usw. stattfinden. Auch da sind noch Vorschläge willkommen. Eine etwas andere Wendung bekommt das Programm dann am 29. Mai: da geht’s mit dem Bus von Weinheim aus nach Berlin zum Kirchentag, wofür wir auch einige Vorschläge gebrauchen könnten, denn da ist noch nicht allzu viel geplant ... Vom 1.-7. Juni haben die Gäste ein „festes“ Quartier in Heidelberg-Kirchheim, von wo aus sie Bundesschluss-Freunde gern besuchen können. Wir bitten also um Rückmeldung von denen, die die vier in dieser Zeit gern bei sich haben möchten und auch abends dann wieder zum Zug oder mit dem Auto zurück nach Kirchheim bringen.

Soweit zu dem bevorstehenden Besuch. Das dies alles Geld kostet, brauche ich bestimmt nicht zu betonen. Unser Konto ist inzwischen auf 2.086 Euro zusammengeschmolzen – Ausgaben für den letzten Besuch (die Flüge haben die Dekanate Nordbadens bezahlt), unser Beitrag für die bundesweite Arbeit der Aktion Bundesschluss für 2002 und 2003 sowie die Bezahlung eines Workshops mit Sr. Angelika waren die Hauptausgaben. Auch wenn der ABP die Flüge bezahlt, die Regionalstelle und der KDL weitere Gelder bereitstellen, bleibt uns als Bundeschlussgruppe immer noch ein Anteil von 600 Euro, ohne den es beim besten Willen nicht geht. Spendet also – je nach Finanzlage – so gut ihr könnt auf das bekannte Konto, das ich hier zur Sicherheit noch einmal bekannt geben möchte:

Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe, Stichwort Aktion Bundesschluss/Mogopa, Kontonummer 11 065 46, Sparkasse Heidelberg (BLZ 672 500 20)

Ihr bekommt in jedem Fall eine Spendenquittung – dazu muss Name und Anschrift aus dem Einzahlungsbeleg ersichtlich sein.

 

Um nicht mit dem Thema Geld enden zu müssen, kurz noch etwas zum Thema Öffentlichkeitsarbeit: wir konnten einen Redakteur des SWR von der Abt. Religion, Kirche und Gesellschaft für begeistern. Dieser nahm Ende Januar an einem unserer Ko-Kreis-Treffen teil und wird spätestens im Herbst 2003 nach Mogopa reisen, um eine längere Reportage zu drehen. Öffentlichkeitsarbeit machen natürlich auch die Komiteemitglieder der Aktion Bundesschluss, wenn sie vom 11.-20. März d.J.  nach Johannesburg und KwaZulu/Natal reisen. Vom 12.-14. März werden sie sich mit Partnerschaftsgruppen der Aktion Bundesschluss bzw. des Covenant Programme treffen. Seit Adelheid Wiedemann ihre Arbeit für die Aktion Bundesschluss beendet hat, führt ein Team von fünf langjährigen Aktiven ihre Arbeit fort. Nach wie vor findet auch einmal im Jahr eine Delegiertenkonferenz in Deutschland statt, um die Arbeit der einzelnen Bundesschlussgruppen zu koordinieren. 2002 konnte Ulrich Duchrow für uns an der Konferenz teilnehmen, für dieses Jahr haben wir aus familiären Gründen noch keinen sicheren Teilnehmer. Die Konferenz findet vom 4.-6. April in Hamburg statt.

Wir haben uns sehr gefreut, dass auch Komiteemitglied Karin Saarmann zum oben erwähnten Vorbereitungstreffen unseres Koordinationskreises nach Heidelberg kam. Sie wohnt seit einiger Zeit in Stuttgart, so dass wir nun eine wichtige Ansprechpartnerin auch im Süden Deutschlands haben. Karin berichtete uns kurz von der geplanten Reise des Teams nach Südafrika im März diesen Jahres. Außerdem wird die Aktion Bundesschluss zusammen mit der Koordinationsstelle Südliches Afrika KASA und der Koordinationsstelle Südliches Afrika KOSA auf dem ökumenischen Kirchentag vertreten sein. Der Stand ist im „Globalen Dorf“ im Bereich „Frieden Gerechtigkeit  Bewahrung der Schöpfung“ zu finden. Sicher lohnt sich ein Besuch – nicht nur für unsere Gäste.

Und last but not least: am 10. April wird um 19.30 in der Blumhardtgemeinde Heidelberg ein Treffen von Partnerschaftsgruppen aus (Nord)baden stattfinden. Es werden Vertreter und Vertreterinnen von Zwillingspartnerschaften Südafrika-Polen und Korea-ehemalige DDR kommen. Diese Zwillingspartnerschaften entstanden im Verlaufe des Konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Der Wunsch einer Zusammenarbeit mit der Bundesschlussgruppe Mogopa-Baden ist schon mehrmals geäußert worden und soll nun in die Tat umgesetzt werden. Eine Einladung erhaltet ihr gesondert, ebenso das vorläufige Programm der 4 bzw. 5 Leute aus Mogopa – das wahrscheinlich noch einige Lücken enthalten wird -  ca. Mitte bis Ende März.

Damit möchte ich nun zum Schluss kommen. Bitte lasst von euch hören – hier im Büro und untereinander – mit herzlichen Grüßen 

 

 

Ilona Borszik

          im Namen des Koordinationskreises

 

 

Kontakt:

 

Christine Ebbinghaus, Waldstraße 56, 69207 Sandhausen

Tel.: 06224- 92 44 57, E-Mail: cebbinghaus@gmx.de

 


Die Aktion Bundesschluss wird gefördert aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.